Heute morgen gegen 5 Uhr durfte ich den Flughafen Kairo endlich verlassen. Unsere Maschine landete gegen 3 Uhr. Ich dachte mir, dass ich bald ankommen könnte, um meine Koffer auspacken, eine Dusche zu nehmen und zu schlafen, aber es war ganz anders. Vor der Einreisekontrolle am ägyptischen Flughafen spielten sich teils dramatische Szenen ab. Hunderte von Menschen standen vor 5 Schaltern, um einen Einreisestempel zu bekommen. Es war heiß und Kinder weinten und schrien, die Luft war zum Schneiden. Vorallem Reisende aus dem arabischen Raum forderten lautstark in Sprechchören eine schnelle Lösung der Situation. Es hat zwei Stunden gedauert bis ich den Flughafen verlassen konnte. Mitunter musste die Flughafenpolizei Streitigkeiten schlichten und die Atmosphäre war gespannt. Ich jedenfalls machte mich jeden Moment auf eine Massenpanik gefasst, weil die Enge nicht mehr auszuhalten war.
Direkt nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug wartete dann die erste Überraschung auf mich: Ich hatte Berichte über installierte Wärmebildkameras gelesen, die Menschen mit Fieber registrieren sollten. Geglaubt habe ich den Berichten nicht, denn zu oft sind die Sicherheitsmaßnahmen in Ägypten nur optischer Natur. Tatsächlich musste jeder eine Karte über seinen Gesundheitszustand ausfüllen und sich von der Wärmebildkamera scannen lassen. Die dort tätigen Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums trugen Schutzmasken, wie auch viele der Reisenden.
Bisher erkrankten laut offiziellen Angaben 8 Menschen in Ägypten an der sogenannten Schweinegrippe. Bisher ist noch kein Todesopfer zu beklagen.
Scharfe Kritik hatte das bisherige Verhalten der Regierung ausgelöst. Man ließ kurzerhand alle Schweine in Ägypten schlachten, obwohl nachweislich
das Tier an sich nichts mit der Infektion am Menschen zu tun hat.
Ich schwanke bei der Beurteilung dieser Pandemie, wie sie inzwischen charakterisiert wird, zwischen Gleichgültigkeit, denn Grippe ist Grippe, und einer nicht zu erklärenden Angst, es könne ja doch schlimmer werden, was sicherlich mit der Berichterstattung zu tun hat, die ein Bild zeichnet als hätte die Pest oder Ebola und nicht eine Grippe die Welt im Griff.
Ich frage mich, ob der Fastenmonat in dem Hunderttausende von Menschen nach Kairo kommen werden diesmal noch chaotischer wird. Gut, dass ich den Flughafen schon hinter mich gebracht habe… Herzlich Willkommen in Kairo!




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